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Klimaveränderung

Dritter »Kolben«: Die Klimaveränderung und das Artensterben

Um uns die Gefahr und die wahrscheinlichen Konsequenzen der Klimaveränderung zu vergegenwärtigen, betrachten wir einmal die folgenden Fakten:

 

• Das Jahr 1998 wurde von der UN-Versicherungsinitiative (bestehend aus Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften aus der ganzen Welt) hinsichtlich der Naturkatastrophen zum schlimmsten Jahr erklärt, das je aufgetreten ist. Die Häufigkeit größerer Naturkatastrophen ist heute dreimal so hoch wie noch in den 60er Jahren. Nach den Angaben der »Münchener Rück«, der größten Rückversicherungsgesellschaft der Welt, waren die Leistungen der Assekuranzen aufgrund von Stürmen, Überschwemmungen, Dürren und Bränden allein für das Jahr 1998 höher als alle Zahlungen, die zusammen in den 80er Jahren geleistet wurden. Derzeit finden weltweit 85 Prozent aller Versicherungsleistungen Verwendung für die Schadensbegleichung bei Naturkatastrophen. Als Gründe für diese Probleme werden die Abholzung der Wälder und die Klimaveränderung genannt. Natürlich berücksichtigt man bei der Schadensaufnahme nur die wenigen Vermögenswerte auf der Welt, die überhaupt versichert sind. Ein weiteres Anzeichen für die Zunahme der Naturgewalten ist die Tatsache, daß heute viermal so viele Menschen bei Naturkatastrophen sterben als bei Kriegen oder Unruhen.

 

• Überall werden deutliche Veränderungen der Großwetterlagen beobachtet.

 

• Das amerikanische Museum für Naturkunde führte 1998 eine Umfrage unter Biologen (nicht Ökologen) durch, von denen die meisten für große Konzerne arbeiten. Auffälligerweise kamen 69 Prozent zu dem Schluß, daß wir derzeit das »sechste Artensterben« erleben. Das Aussterben geht offensichtlich rascher vor sich und betrifft eine größere Artenvielfalt als die bisherigen fünf Aussterbewellen. Es verläuft sogar schneller als das letzte Artensterben vor über 60 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben. Vermutlich verlieren wir allein in den nächsten 20 bis 30 Jahren 30 bis 70 Prozent der Artenvielfalt unseres Planeten. Ein weiterer Unterschied zum früheren Artensterben besteht darin, daß dieses Sterben auf das Verhalten einer Spezies zurückzuführen ist - unsere eigene -, die gleichzeitig auch noch behauptet, als einzige Art Intelligenz und ein Bewußtsein zu besitzen.

 

• Die folgende »Warnung an die Menschheit« wurde einstimmig von 1500 Wissenschaftlern beschlossen, darunter auch zahlreichen Nobelpreisträgern im naturwissenschaftlichen Bereich: »Wir brauchen eine deutliche Veränderung in der Verwaltung der Erde und des Lebens auf ihr, wenn menschliches Elend vermieden und unser Heim auf diesem Planeten nicht unwiederbringlich zerstört werden soll ... Wenn unserem derzeitigen Vorgehen nicht Einhalt geboten wird, stellt es eine ernste Bedrohung für die Zukunft dar, die wir der menschlichen Gesellschaft, der Tier- und Pflanzenwelt wünschen. Der Raubbau durch den Menschen könnte die Erde so verändern, daß es uns unmöglich sein wird, das Leben so zu erhalten, wie wir es kennen. Grundlegende Veränderungen sind dringend notwendig, wenn wir den Zusammenstoß vermeiden wollen, den unser derzeitiger Kurs mit sich bringt.«

 

• Im Rahmen einer anderen Initiative beschlossen 2800 Wirtschaftsexperten, darunter die Nobelpreisträger James Tobin und John Harsanyi, bei einem Weltgipfel einstimmig: »Die globale Klimaveränderung verkörpert eine reale, drohende Gefahr«, die neben der Umweltzerstörung auch erhebliche wirtschaftliche, soziale und geopolitische Probleme mit sich bringt.

 

All diese Ermahnungen zerschellen jedoch an einer Mauer aus finanziellen Interessen. Die Finanzmärkte sind auf die Erträge des jeweils nächsten Quartals ausgerichtet. Wenn ein Unternehmensvorstand auf Kosten eines raschen Gewinns langfristigere Prioritäten setzte, würde er oder sie sofort den Job verlieren. Erst wenn wir die nächste »Geldfrage« gelöst haben, besteht eine reale Chance, gegen die Klimaveränderung und das Artensterben rechtzeitig und systematisch vorzugehen.

 

Daher lautet unsere entscheidende Frage: Wie können wir den Konflikt zwischen kurzfristigen finanziellen Interessen und einer langfristigen, nachhaltigen Wirtschaftsweise lösen?