Ein mutiger Weg – ein ermutigender Weg
Bei prachtvollem Frühlingswetter trafen sich am Sonntag, dem 25. April 2010, rund 250 Menschen im St. Ulrich am Waasen, um gemeinsam mit Altbischof Johann Weber (einen Tag vor seinem 81. Geburtstag) den 4,5 km langen „Ermutigungsweg“ zwischen dem Haus der Stille und dem Ortszentrum von Heiligenkreuz am Waasen zu segnen und zu eröffnen.
Im gemeinsamen Unterwegssein wurde eine fröhliche und lebendige Kirche erlebbar. Bereits vor einem Jahr hatte Altbischof Weber mit einer großen Menschenmenge den Markusweg gesegnet, der in 13 Stationen von der Pfarrkirche Heiligenkreuz zum Haus der Stille führt. Mit dem neuen Wegstück wurde nun der gewünschte Rundweg realisiert. Sieben „Ermutigungszeichen“, die durch Privatspender finanziert und – wie schon beim Markusweg – von verschiedenen Künstlern gestaltet wurden, brechen dabei den Anspruch des Evangeliums herunter auf die konkreten Herausforderungen des Lebens und der Gesellschaft in unserer Zeit. Es sind brennende Probleme in unserer Welt, die angesprochen werden (Flüchtlingsproblematik, Friede, Dialog, Hunger, die Armutsfalle durch mangelnde Bildungschancen usw.) – Themen, bei denen man sehr leicht in die Versuchung fällt zu sagen: „Was kann ich da schon ändern?“.
Bewusst steht darum das afrikanische Sprichwort als Motto über dem ganzen Weg: „Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, wird sich das Antlitz der Erde erneuern.“ Und beispielhaft werden zu jedem Thema konkrete Menschen aus unseren Tagen angeführt, die – trotz aller Begrenztheit – an einem konkreten Punkt begonnen haben, etwas zu tun und damit oft Großes in Bewegung gesetzt haben. Manche sind mittlerweile auch über ihre konkreten Projekte und ihren regionalen Einsatz hinaus bekannt, wie Mutter Teresa, Kardinal König, P. Georg Sporschill, Sr. Emmanuelle. Aber wer kennt schon Nada Glad, P. Berno Rupp, Mária Pál, Csaba Böjte?
Und doch sind auch sie mittlerweile für viele andere zum Segen geworden. Niemand von ihnen hatte vor, die Welt zu verändern, aber jede und jeder von ihnen hat sich ansprechen lassen von konkreten Situationen und Herausforderungen und darauf reagiert. Andere finden sich, die mithelfen, und alle teilen sie die Erfahrung, dass mit dem Einsatz auch die Kraft wächst. Jede Zeit hat ihre eigenen Nöte und braucht Menschen, die sich mit all ihren Kräften einsetzen, zumindest punktuell etwas zum Besseren zu verändern. Niemand kann und muss allen helfen.
So ist dieser Weg wirklich ein Ermutigungsweg, und die Zeichen sind Ermutigungszeichen gegen den Trend und gegen das Argument „Ich kann ja als einzelne/r nichts machen“. Es sind immer einzelne Menschen, die die Welt verändern, wenn sie ihrem inneren Ruf folgen und das Wenige tun, das in ihren Möglichkeiten steht.
hans.waltersdorfer@REGO.at