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Der Grazer Dom - Vorbild für unsere gotischen Kirchen

„Kaiserliche“ Gotik im Kirchbacher Chor und die Wappen-Mania Kaiser Friedrichs III . Das Grazer Dominnere als Vorbild für zahlreiche gotische Kirchen der Südost - Steiermark.
Geographisch ist Kirchbach dem südoststeirischen Graben- und Hügelland zugehörig, das vor 20 Millionen Jahren nach einem Meereseinbruch im Torton entstand. Nach Abschnürung vom Meer erfolgte im Sarmat eine Aussüßung des Meerwassers im südoststeirischen Becken. Das Hügelland besteht aus Tonmergel, Sandstein-, Feinschotter und Kieslagen.

Seit der La Tène-Zeit ist die Süd-Oststeiermark besiedelt. Zwischen 586 und 907 wanderten Bayern, Franken und slawische Volksgruppen zu. Kirchlich wurde das Ostland im Jahre 796 und 811 durch den Lauf der Drau geteilt: Der nördliche Abschnitt gehörte zu Salzburg, das im Jahr 800 Erzbistum geworden war, der südliche unterstand dem Patriachat Aquileia. Die Christianisierung der mittleren Teile des steirischen Grabenlandes, auch als Deutscher Graben bezeichnet, begann gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Ausgangspunkt der Missionstätigkeit war St. Georgen an der Stiefing, wo um 1150 von den Salzburger Grafen von Plain eine Eigenkirche erbaut worden war. St. Georgen war Mutterpfarre von Kirchbach mit St. Stefan, Heiligenkreuz/W., und Wolfsberg mit Jagerberg.

Eine Urkunde von 1240 nennt erstmals chirchbach. Mit der Jahreszahl 1269 ist auch die Existenz einer Kirche durch ein Dokument bestätigt. Im Jahre 1269 setzte der steirische Landrichter Herbord von Füllenstein den Bischof von Seckau in den Besitz der Kirchen Kirchbach, Wolfsberg, St. Stefan und Jagerberg ein, welche Erzbischof Ulrich dem Gundaker von Glatzau (vermutlich auf Schloss Waldegg) verpfändet hatte. „Mitten im Dorf stand das ebenfalls aus Holz gezimmerte Kirchlein.“ So vermutet Franz Meier im Kirchbacher Heimatbuch von 1931. Im Gegensatz dazu meint Norbert Müller, der Leiter des steirischen Diözesanarchivs, dass Sakralbauten mit einem lokalen Privilegium wie dem Taufrecht, fast ausschließlich aus Stein als Chorquadratkirchen errichtet worden waren. Demnach bekamen nur Pfarren das Recht, den Taufheiligen als Pfarrpatron anzunehmen, wenn sie das Taufrecht besaßen.

Das Studium der bestehenden Chorgrundfläche bestätigt die Annahme einer vormaligen quadratischen Chorraumlösung. Die Seitenlängen von 6,63m x 6,62m, ergeben ein Quadrat als Bodenfläche. Die Zeit war geprägt von der Türkengefahr, von Hunger, verursacht durch die Heuschreckenplage, den Kämpfen um die ungarische Vorherrschaft und der Empörung des steirischen Landadels gegen den Kaiser mit den unzähligen Verwüstungen im Zuge der Baumkircher Fehde. Vielleicht machte ein Brandschaden einen Kirchenneubau notwendig. Den Neubau der Kirchbacher Kirche genehmigte 1478 Kaiser Friedrich III. höchstpersönlich. Die Kirchenneubauerlaubnis ist im Konzeptbuch der Österreichischen Kanzlei Kaiser Friedrichs III. von l478 festgehalten. Dort ist zu lesen: „[...] Bekennen das wir [...] unsern lieben andächtigen Pharrer zu Kirchpach und unseren Urbarleuten gemeinlich das in unser Hubamte hier zu Grätz gehörend vergunnt und erlaubt haben wissentlich mit dem Brief das sy von dem Gemewr daß Stain von dem prochnen Gesloss Narreneck nemen zu paw der Pharrkirchen das zu Kirchpach fürn mögen von menichlich ungehindert ungefahrlich [...] mit Urkund daßselbhst.“ Die Kirchbacher Pfarrkirche wurde im Stil der Spätgotik erbaut. Erste gotische Bauten entstanden um 1190 in der vormals untersteirischen Kartause von Seitz im heutigen Slowenien. Die Gotik war in der Steiermark langlebig. So erhielt die Kirche von Jagerberg noch um 1580 gotische Rippen.

Durch geplante Sanierungsarbeiten wurde die Grundmauerzone im Jahr 2007 sichtbar gemacht. Als Besonderheit sind im Mauerwerk gotische Gerüstlöcher für die Pfosten der Standbretter zu erkennen. Ebenso Steinquader, die vom Narrenegerschloss stammen dürften. Im Osten schließt der Chor mit 5 Seiten eines Achtecks als 5/8-Chorschluss, ebenso der Chor in Heiligenkreuz/W. Die spätgotischen Gestaltungselemente im Chorinneren sind das Rautensterngewölbe, die Wandvorlagen, Dienste genannt, mit Zackenkapitellen, Wandkonsolen und Schlusssteine, dekoriert mit Wappenschilden. Ein Formenrepertoire, das Ende des 15. Jhdts. herkommend vom Grazer Dom in zahlreichen Kirchen des Grazer Umlandes, u. a. in Hl. Kreuz/W., Gnas, und Paldau zu finden ist. Rautensterngewölbe zieren u. a. die Chöre in Kirchbach, Heiligenkreuz/W. und Paldau. Den Wappenschild als Bauschmuck hat Kaiser Friedrich III. von Wiener Neustadt nach Graz transferiert. 77 Wappen umfasst die Wappenwand der Wiener Neustädter Burg. Kaiser Friedrich III. hat damit die erste heraldische „Homepage“ des ausgehenden Mittelalters geschaffen. Als architektonische Besonderheit schmückt ein zweiter gedrehter Halsring den Schaft der südwestlichen Wandvorlage im Chorpolygon. Das könnte ein apotropäisches Zeichen zur Schadensabwehr sein, um symbolhaft das Böse vom Altarraum fernzuhalten. Der Halsring wäre auch als typologisches Phänomen zu deuten. Mit seinem friederizianischen Formenrepertorire ist der Kirchbacher-Chor ein bedeutendes Beispiel spätgotischer Sakralarchitektur.

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