Auf der Suche nach dem Hausverstand
Josef Ober plädiert für die Gleichstellung von geistigen und materiellen Tätigkeiten. Er sieht den Hausverstand durch die zunehmende theoretische Wissensvermittlung gefährdet.
Auf der Suche nach
dem Hausverstand
Josef Ober plädiert für die Gleichstellung von geistigen und materiellen Tätigkeiten. Er sieht den Hausverstand durch die zunehmende theoretische Wissensvermittlung gefährdet.
"Zwischen Analysieren und Lösen besteht ein eklatanter Unterschied. Unsere Gesellschaft bildet hervorragende Analysten aus, die aber eine zunehmend geringere Lösungskompetenz mitbringen. Aufgrund der bestehenden Analysen müsste fast alles lösbar sein", bricht LAbg. Josef Ober eine Lanze für mehr Praxisbezug. Praktisches brauche die Verwebung mit der Theorie. Der Hausverstand werde im Wesentlichen im häuslichen Umfeld gebildet. Das Denken in Zusammenhängen nehme weiter ab. "Unser Bildungsfokus und die Vision der Wissensgesellschaft hat zu einer gefährlichen Unterbelichtung des Hausverstandes geführt", ist Ober überzeugt. "Heute stehen wir von der Vorschule bis zum Studium bis zu 20 Jahre in theoretischer Ausbildung. Erst danach kommt die praktische Arbeit. Das sind 20 verlorene Jahre für das Tun."
Für vieles werde in der Familie der Grundstein gelegt, so auch für den Hausverstand. Die Bildung des Hausverstandes sei eine unersetzliche familiäre Aufgabe. Die Gleichstellung von geistiger und manueller Tätigkeit sei dafür wesentlich. Etwas anzugreifen und mitzuarbeiten würde - gerade in der Familie als Trainingslager - den Grundstein für viele Fähigkeiten legen, so die Überzeugung des regionalen Abgeordneten, der als gelernter Maurer im zweiten Bildungsweg die Matura nachholte, also von der Praxis in die Theorie aufbrach.
Strom sparen ohne
Komfortverlust
Die Lokale Energieagentur in Auersbach zeigte am eigenen Beispiel auf: Stromsparen braucht oft nur ein Mehr an Achtsamkeit. Den Verlust von Lebensqualität müsse man nicht befürchten.
Als Alois Niederl, Energieberater der Lokalen Energieagentur, mit einem schlichten im Baumarkt um geringes Geld erhältlichen Strommessgerät das eigene Büro auf Energiefresser durchforstete, kam er zu einer fundamentalen Erkenntnis: Der Standby-Stromverbrauch, also jener ausgeschalteter am Netz hängender Geräte, macht in der Lokalen Energieagentur (LEA) mit ihren zehn Mitarbeitern 41 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus. Damit hat Niederl ein Stromsparpotenzial für seine Firma in der Größenordnung von 370 Euro jährlich ausfindig gemacht. Hochgerechnet auf Österreich geht es um ein Stromsparpotenzial von 162 Millionen Euro, im Vulkanland mit seinen 79 Gemeinden sind es jährlich noch immer beachtliche 1,9 Millionen Euro. LEA-Chef Karl Puchas ist begeistert: "Die sich daraus ergebende Investition von 50 Euro für Steckerleisten mit Kippschalter und Zeitschaltuhren rechnet sich in zwei Monaten. Das Motto von Unternehmern wie Haushalten muss also lauten: Good bye standby."
Vulkanland-Obmann Josef Ober sieht im Vorgehen der LEA die Energievision Vulkanland bestätigt. Die als Doppelstrategie angelegte Vision geht nämlich vom Einsparen einerseits und von der regionalen Energieaufbringung andererseits aus. "Die im Augenblick entstehenden neuen Photovoltaikanlagen sollen nämlich nicht den Strom erzeugen, den wir dank intelligenter Einsparmöglichkeiten eigentlich gar nicht bräuchten", verdeutlicht Josef Ober den vom Vulkanland propagierten Lebensstil.
Produkte aus der Region haben
bei Fürpass immer Saison
Otto und Gertrude Fürpass zeigen in ihrem Spar-Markt in Gnas das Regionalität mehr als ein Mascherl sein kann.
Otto Fürpass ist ein alter Hase, wenn es darum geht, regionalen Produkten im Supermarkt eine Chance zu geben. "Seit mehr als 25 Jahren beliefern mich Produzenten aus der Region rund um Gnas", erinnert sich Fürpass an die Anfänge. Sein Spar-Markt im Zentrum von Gnas zählt zu den Erfolgsbeispielen. Er hat sich in Zeiten, in denen große Einkaufszentren am Ortsrand einen besonderen Charme versprühten, für die Expansion im Ortszentrum entschieden und hat nie darauf vergessen, dass es neben globalen preisoptimierten Marken auch regionale mit Leidenschaft hergestellte Top-Lebensmittel gibt.
"Die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt, aber es ist schwierig, sie auch im Handel zu positionieren", weiß Ober. Der alteingesessene Handelsbetrieb Fürpass sei ein Paradebespiel dafür, wie regionales Miteinander gelingen könne. "Als freier Einzelhändler kann ich mir meine Lieferanten selbst auswählen. Aber es ist natürlich Qualität gefordert. Neben einem Top-Produkt muss der Produzent auch mit Verlässlichkeit punkten", stellt Fürpass klar. Auch ein Strichcode sei bei größeren Mengen unerlässlich. "Da müssen viele Direktvermarkter noch dazulernen, um ihr Konzept zu verbessern", so Gertrude Fürpass. Natürlich würden auch ihre 23 Mitarbeiter im Gespräch mit den Kunden regionale Produkte forcieren.
"Wesentlich ist natürlich, dass der Kunde regionale Produkte nachfragt", weiß der Handelsprofi. Hier habe das Steirische Vulkanland viel zur positiven Entwicklung beigetragen. Regionalität beziehungsweise die Herkunft seien zu wesentlichen Kriterien der Kaufentscheidung geworden. Globale Lebensmittelskandale würden den Regionalabsatz fördern. Großes Interesse hat Familie Fürpass an der Ausweitung des regionalen Bio-Sortiments. Eine Intention, die auch Josef Ober in der Vulkanland-Entwicklung forcieren will: "Wir möchten die Vernetzung von naturnahen und Bio-Betrieben forcieren."
Roman Schmid